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Melodie:
Hoffmann von Fallersleben wählte die Melodie der von Joseph Haydn
geschaffenen Kaiserhymne: "Gott erhalte Franz den Kaiser, unsern guten
Kaiser Franz", die sich auf den in Wien residierenden Kaiser Franz II.
bezog. Dieser war der letzte deutsche Lothringer-Habsburger Kaiser. Haydn hatte
mit dieser Melodie eine der schönsten Hymnen der Welt geschaffen, von der er
selbst sagte: Ich spiele das Lied an jedem morgen und oft habe ich Trost und Ergehung daraus genommen,
in den Tagen der Unruhe...
Mir ist herzlich wohl, wenn ich es spiele
und noch eine Weile nachher.
Weitere
Entwicklung:
1848: Die Hymne wird bei der Freiheitlichen Revolution von den
Teilnehmern der Versammlung in der Frankfurter Paulskirche begeistert gesungen.
1871: Bei der Reichsgründung wird das "Lied der
Deutschen" nicht zur Hymne erkoren, was Hoffmann von Fallersleben sehr enttäuschte.
1914: Beim Ausbruch des I. Weltkriegs wird es in Wien begeistert
gesungen; von allen Bevölkerungsteilen und von allen Parteien, auch von den
Sozialdemokraten.
1918: Nach der Niederlage Deutschlands im I. Weltkrieg wird das
"Lied der Deutschen" von den Besatzern verboten.
1922: Der sozialdemokratische Reichspräsident, Friedrich Ebert,
erhob durch einen Erlass das "Lied der Deutschen" am 11. August 1922
zur offiziellen deutschen Nationalhymne. Er sagte: "So wie einst der
Dichter, so lieben wir heute Deutschland über alles."
1930: Am 18 Februar 1930 verkündete der sozialdemokratische
Stadtschulrat für Wien anlässlich der Einführung der Kernstock-Hymne:
"Eine der schönsten Melodien Haydns wurde in den ersten Jahren der
Republik in den Wiener Schulen weniger geübt. ... Der schönen österreichischen
Melodie hat auch Hoffmann von Fallersleben einen Text unterlegt, der als
"Deutschlandlied" der gefühlsmäßige und auch der offizielle
Ausdruck des Einheitsbewusstseins des gesamten deutschen Volkes ist. Wir haben
als Österreicher und als Deutsche allen Grund, unserer Jugend das
Deutschlandlied mit dem Text von Hoffmann von Fallersleben ... näher zu
bringen.
Der Stadtschulrat erwartet, dass dieses Lied in allen Schulen geübt und bei
geeigneten Anlässen gesungen wird, um so die nationale und republikanische
Erziehung der Jugend zu fördern."
1933: Die erste Strophe wurde von den Nationalsozialisten zu einem
Vorspann für das Horst-Wessel-Lied erniedrigt. Die zweite Strophe mit
ihrer romantischen Verherrlichung passte nicht in das Konzept des revolutionären
Sozialismus und die dritte Strophe stieß wegen ihres demokratischem Gehaltes
("Einigkeit und Recht und Freiheit") auf Ablehnung dieses
Unrechtstaates.
1952: Das gesamte Lied wird Hymne des deutschen Teilstaates, der
Bundesrepublik Deutschland. In einem Briefwechsel zwischen dem ersten Bundespräsidenten,
Theodor Heuss, und Bundeskanzler Konrad Adenauer wurde das Hoffmann- Haydn'sche
Lied wieder als Nationalhymne anerkannt. Ausdrücklich bilden alle drei Strophen
die Hymne. Bei staatlichen Veranstaltungen soll jedoch nur die dritte Strophe
gesungen werden. Gerade ihr Text - "Einigkeit und Recht und Freiheit für
das deutsche Vaterland" - konnte die Lage des gespaltenen Deutschlands
lange Zeit eindrucksvoll bewusst machen.
1989: Beim Eintreffen der Nachricht vom Fall der Berliner Mauer
wurde es spontan im Deutschen Bundestag gesungen, nur einige Abgeordnete der Grünen
flüchteten verstört aus dem Plenarsaal.
1991: In einem Briefwechsel zwischen Bundespräsident
Richard von Weizsäcker und Bundeskanzler Helmut Kohl wird die dritte Strophe
des Deutschlandlieds zur Nationalhymne erklärt. Festgehalten ist dies auch im Bundesgesetzblatt
Teil I 1991, Seite 2135
1998: In einer Rede zum Tag der Deutschen Einheit am
3.Oktober 1998 bestätigt der Bundesratspräsident, Gerhard Schröder, dass die
dritte Strophe des Deutschlandlieds Nationalhymne bleibt. Es gab Stimmen, bzw.
Parteien, die das "Kinderlied" von Berthold Brecht als Nationalhymne
forderten.
Vergleich mit
anderen Hymnen:
Jede Dichtung muss man aus der Zeit der Entstehung erklären. Andere
Hymnen enthalten oft recht kräftige Formulierungen, wie zum Beispiel:
die französische Marseillaise: "... das unreine Blut möge unserer
Äckerfurchen
tränken... "
die Hymne der USA: "... Handgranatenblitze und grellrote Raketen
bezeugen durch die Nacht, dass die Fahne noch loht... "
Warum protestiert eigentlich niemand gegen die militanten Teile dieser
Hymnen und verlangt deren Umdichtung?
Nun, weil diese Hymnen ebenso wenig Aufrufe zu Mord und Kriegslust sind, wie
das "Lied der Deutschen" imperialistische oder chauvinistische Ideen
enthält.
Hoffmann's "Lied der Deutschen" ist kein Lied der Macht
und des Chauvinismus; es ist ein Lied der Innigkeit und der Sehnsucht.

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