DIE HÖLLE VON LAMSDORF.

Wir veröffentlichen dieses - im ungekürzten Original noch viel grauenhaftere - Dokument aus der polnischen Hölle, weil wir der Meinung sind, dass die, von den gleichgeschalteten Medien, beeinflusste, Öffentlichkeit, überhaupt keine Ahnung hat, welche unglaublichen Verbrechen die tschechischen und polnischen und russischen Verantwortlichen an der hilflosen deutschen Zivilbevölkerung nach Kriegsende begangen haben. Untaten, die heute aber von den deutschen Politikern und Medienvertretern im Zuge eine völlig einseitigen "Versöhnung" ohne "Wenn und Aber" totgeschwiegen und für nicht existent erklärt werden.

UND: Nicht wir Deutschen, sondern ein Pole schreibt über das größte - nach 1945 - polnische Konzentrations-Lager in Lamsdorf für Deutsche. Wie man sieht, gibt es in jedem Land Menschen, die den Mut aufbringen und das Risiko auf sich nehmen, für die Wahrheit einzutreten, gegen den bestimmenden Zeitgeist. Die Zeitschrift "ZIy" (Böse) war herausgegeben durch Herrn Jerzy Urban, früherer Presse-Sprecher der VRP, und verantwortlicher Redakteur war seine Frau. Vor paar Wochen wurde die Zeitschrift durch Warschau praktisch verboten. Der Autor des Interviews mit dem Stellvertreter des Kommandanten von Lamsdorf, Ignac SzypuIa, ist der bekannte Schriftsteller Janusz Rudnicki. Der Kommandant von Lamsdorf, Czeslaw Geborski, wohnt in der Nähe der Staatsanwaltschaft in Kattowitz und bleibt weiterhin unbehelligt von Justitia. Wie lange wird sich die Regierung in Warschau mit dem EU-Beitritt befassen, ohne Stellung zu beziehen gegenüber solch einem ungeheuerlichen Verbrechen? (Inzwischen wurde Anklage erhoben… Siehe die entsprechende Presseerklärung des BDV)




POLNISCHE SCHANDE.

Wir haben nicht, vergessen, wer begann den Zweiten Weltkrieg, auch nicht, wer erbaute das Lager Lamsdorf. Relation, welche vorgestellt wird vom hervorragenden polnischen Schriftsteller der Neueren Geschichte, Janusz Rudniki, zeigt den Zeitabschnitt des Lagers, als die Henker wir waren - Polen.

Das Dorf Lamsdorf liegt 30 km südwestlich von Oppeln. Jn den Jahren 1870-1871, in der Zeit des preußischfranzösischen Krieges, entstand hier das Gefangenen-Lager. Während des Zweiten Weltkrieges befand sich hier einer der größten Lager-Komplexe für Gefangene der Wehrmacht. Man schätzt, daß durch das Lager gingen ca. 380 000 Gefangene, davon etwa 200 000 russische. Den Tod von über 42 000 Menschen symbolisiert das Denkmal der Martyrologie von Kriegsgefangenen in Lamsdorf.

Am 18. Juni 1945 erging eine vertrauliche damals Anordnung des Wojewoden für Schles.-Dombrowa in Sachen Polonisierung von Oppelner Schlesiern. Ein Fragment des Original-Textes:

"Bedingungslose Entfernung der Deutschen aus ihrem landwirtschaftlichen Besitz und sie hinter die Oder-Neiße schicken oder sie mit ganzen Familien an einem abgesonderten Ort ansiedeln, wenn Siedler und Repatrianten kommen, die auf diesen Gehöften angesiedelt werden sollen."

Diese Anordnung unterschrieb Wojewoda,Divisions-General Alexander Zawadzki.

14. Juli 1945- Landrat von Niemodlin Wladyslaw Wedziocha organisierte eine vertrauliche Beratung in Sachen "Lösung des Problems der Nationalität" in Kreis Niemodin.


Fragment des Original-Textes:

"Man entschloss sich für das Straflager für Kriegsgefangene in Lamsdorf, in dem man ohne Schwierigkeiten etwa 20 000 Menschen unterbringen konnte"

Czeslaw G. (Gemborski), war Kommandant des Lagers von Ende Juli 1945 bis zum Tag seiner Verhaftung am 30. Oktober 1945.

Die Deutschen behaupten, dort starben 6000 Personen.

Czeslaw Gemborski wurde nochmals verhaftet im Juni 1956 Freigesprochen in Jahre 1959 Der Prozess war eine Farce.

Czeslaw Gemborski wohnt bis heute vøllig unbehelligt in Oppeln. Ignaz Sz (Szypula), der Vertraute von Czeslaw Geborski, starb im Jahre 19173. wahrscheinlich fiel er betrunken vom Balkon, obwohl Czeslaw G. das bestreitet. Sogar das."

Der Henker von Lamsdorf, Ignacy Szypula, berichtet:

"Mein Vater überlebte 4 Jahre deutsche Lager, danach lebte er im Gips-Korsett, später im Gips-Bett, und starb, denn man hatte ihm 4 Wirbel der Wirbelsäule beschädigt. Meinen Bruder haben mir die Deutschen im Jahre 1944 getötet, meine Mutter wurde nach dem Krieg 4mal operiert und starb, ich lebe noch. Aber kann sterben. Ich gehe zu Ende wie dieses Jahrhundert, Jahrhundert des Teufels, jeder muß mir Recht geben. -

Nicht mehr lange gehe ich dort, wo ich selbst geschickt habe.

Wie viele? In Deutschland leben noch ein paar, die scheißen weich, wenn sie meinen Namen hören, reicht es?

Ich heiße Ignac Sz. (Szypula), im Lager bekannt als "pan Ignac" (Herr Ignac). In unserem Lager, für sie (die Deutschen).

Tod für Tod. Dachten, daß was, daß sie ein Patent haben zum Töten? Wer sollte Gerechtigkeit ausüben, die Geschichte? Und warum nicht ich, ein Pole? Mit Namen Ignac, Nachname Sz.?

Sofort, auf der Stelle und von der Hand.

Den Verstand habe ich nicht löffelweise gegessen, aber das Hirn habe ich anderen befohlen zu essen, direkt von der Erde, reicht es?

Ich beginne von Anfang.

Man sagte mir kurz, "du wirst im Lager arbeiten." Sie gaben keine Richtlinie. Sie sagten, du kennst deutsche Lager, selbst hast du gesessen, dein Chef G. auch, da wißt ihr ja. Gut.

Zuerst mußte man kraft des Abschnittes XIII des Potsdamer Vertrages das Gesindel zusammenklauben. Dreieinhalb Millionen dieses haben wir nach Deutschland ausgesiedelt. Verifiziert, ausgesiedelt und umgesiedelt. Alles, was deutsch, nach Deutschland! Und da schnell!

Im Juli 1945 lagerten am Bahnhof in Oppeln 20000 Unsere aus dem Osten! Sollten wir warten? Bis was, daß die Deutschen von selbst verschwinden? Wir haben ihnen das Leben schwer gemacht, wie wir nur konnten. Sie versteckten sich wie Mäuse, wenn sie einen von uns in Uniform sahen, aber sie saßen.

Wir packten ihnen die Repatrianten in ihre Häuser. Mußten zusammen wohnen, sie erstickten fast wie in der Hölle, aber sie blieben.

Wenn so, da haben wir angefangen. Von Bielic. Wir sind angefahren mit LKW im Morgengrauen. Das Militär umzingelte das Dorf und wir, die Miliz, und die Sicherheitspolizei zogen sie aus den Häusern. Alles, was deutsch ist, in 5 Minuten raus.Sachen auf sich und auf die Weide, mit dem Vieh! Wußten nicht wozu, wußten nicht wohin, wie das wohin?!

Raus aus Polen! Nach Deutschland! Nach Hause! Mit kleiner Haltestelle für eine Übergangs-Ruhepause, in Lamsdorf. Beim "Herrn Ignac".

Manche kamen aus dem Haus barfuß, direkt aus dem Bett, manche mit schlafenden Kindern auf dem Arm. Manche wollten uns narren, probierten polnisch zu sprechen, nix da, an den verlausten Kopf und raus aus der Bude. Jetzt sind sie Polen!?

Mit der Hand Kopfschläge oder mit dem Kolben und auf den Weg.

Haj-li Haj-lo, Haj-la, Hitler-Lieder befahlen wir ihnen zu singen. Unterwegs auch in die Schnauze (w drodze -tez wpierdol).

Heiß war es, schleppten sich, da prügelten wir. Alte mußten gestützt werden, von den Jungen. Damit sie das Tempo mithalten konnten.

Wir trieben sie aus Gracz, Jaczowic, Jakubowic, Klucznika, Korfantowa, Kuznicy Logockiej, Ligoty Tulowieckiej, Lipowa, Lipna, Magnuszowie, Oldrzyszowic, Przechoda, Szydlowa, an alle kann ich mich nicht erinnern. Zusammen waren es an die 30 Dörfer. Etwas trieben wir auch zusammen aus Niemodlin und Prudnik.

Sie gingen nach Lamsdorf wie die Ameisen unter unseren schweren polnischen Stiefeln.

Es gab auch welche, die sangen "Pod Twoja Obrone" (Unter deine Obhut Herr). Jetzt da sind sie Polen!

"Arbeits-Lager in Lamsdorf", so war die Uberschrift über dem Eingangstor. Jetzt werdet ihr sehen, was ihr ausgedacht habt.

Ich habe es ausgedacht? Oder irgend ein Pole? Mich anklagen? Für was? Ich habe ausgedacht das Töten Unschuldiger für Schuldige? Ich habe ausgedacht das Gipsbett für meinen Vater?

Im Lager hinter dem Tor wartete auf sie die Gerechtigkeit. Wartete auf sie unser Chef, Czeslaw Geborski, 20 Jahre alt, so wie wir. Unser Mann, von den Deutschen hat er seins gelitten. War bei unseren Partisanen. 1944 fiel er in ihre (deutschen) Tatzen und saß im Lager Myslowitz. Partisanen-Abteilung (Czarny) befreite ihn aus dem Transport nach Auschwitz.

Gleich 1945 nach der Befreiung trat er in die MO (Bürgeriniliz) ein, um in Schlesien die Deutschen auszurotten. Jung war er und schon Feldwebel.

Wartete auf sie sein Stellvertreter Stanislaw D., Edek Z., Antek K., unser polnischer Deutsche Jan F., und Herbert P. .und andere und auch ich, die rechte Hand des Chefs, Ignac.

Die Gerechtigkeit ließ sie vor der Baracke stehen und warten auf die Registrierung, es konnte auch mal den ganzen Tag sein.

Die Registrierung haben wir angefangen mit einer gründlichen Durchsuchung. Wir nahmen alles. Eine versteckte ihren Ring in den Haaren, wir schnitten sie ab. Wir nahmen und prügelten. Mit Kolben, Händen, Füßen. Alte, Junge, Frauen. Alles, was sich bewegte, außer Kindern. Zum "Guten Morgen", psychologisch, wie der Czesiek Geborski sagte, damit man den Gehorsam in ihnen zupflügt.

Ich erinnere mich, wie wir solchen sechs Helme auf die Köpfe setzten und prügelten drauflos so lange, bis Blut über die Aügen floß. Die hatten trotzdem noch Glück.

Einmal erblickten wir einen mit einem Bart, der kam gar nicht in die Baracke zur Registrierung, Judas. Johann hieß er, Johann L. Wir zogen ihn am Bart in die Werkstatt und dort schraubten wir ihm den Bart in den Schraubstock und zündeten den Bart an, damit er aussieht wie ein Bettler. Er schrie, daß er Kinder hat. Die Reste vom Bart schnitten wir mit dem Messer ab, mit der Haut!

Mit Zangen rissen wir ihm die Fingernägel aus, einen nach dem anderen. Dann steckten wir ihm eine Schulter in den Schraubstock und brachen sie. Mit der anderen dasselbe.

Dann haben wir angefangen, ihm mit Schlüsseln auf den Kopf zu klopfen, puk, puk, ist da wer? Und dann hämmerten wir auf den Schädel, es gluckste, Knochen krachten…

Geteilt haben wir die Baracken so:

Für Männer, für Frauen, Frauen mit Kindern und Frauen, die arbeiten konnten. Und Ruhe. Keiner kennt den anderen. Sollte irgendein Mann zu seiner Frau ein Wort sagen oder eine Frau zu ihrem Mann oder Kind sagen, Prügel. 25 Schläge.

Einmal sah eine Frau ihren Mann, lief zu ihm, was haben wir gemacht.

Drei Tage in der Sonne ohne Essen und Trinken. Sie hielten sich an den Händen und lagen. Es gab kein Mitleid.

Von der Erde in die Krankenstube, von der Stube unter die Erde!

Einer hat mich mal gebeten, ich möchte ihn doch nicht töten, sondern erst nächsten Morgen, er möchte gern noch seine Frau sehen, er hat sie nicht gesehen!

Meine Nummer 14 am Tag der Feuersbrunst, aber ich komme noch darauf.

Der Tagesablauf sah so aus: Um 6 Uhr wecken, aufstehen und auf den Platz. Laufen - fallen - kriechen - laufen. Alt nicht alt. Krank nicht krank, "Morgengymnastik" auf polnisch. Kommando und abzählen auf polnisch, von eins bis wie viele es waren.

Wer nicht konnte, wer falsche Zahl zahlte, Prügel, alt oder krank. Mit Knüppeln, Füßen, Händen. Wir prügelten so lange, bis.... Wer krepierte, der krepierte. Schuhe runter und ins Loch mit dem Aas. Manchmal, zum Zeitvertreib, befahlen wir einigen, auf die Bäume zu klettern bis in die Wipfel. Andere wiederum mußten die Bäume absägen. Sie sind runtergefallen wie Birnen.

Gemborski hat mal einem befohlen, auf den Baum zu klettern und schreien, ich bin ein Affe! Und wir haben geschossen, bis er runterfiel! Schuhe runter und ins Loch, ob er lebte oder nicht, seine Sache. Dann Appell, Einteilung in Arbeitsgruppen im Lager und außerhalb. Um 12 Uhr Ruhepause, dann wieder Arbeit, am Abend, um 20 Uhr Ruhe.

Ich sage Prügel, aber solche Prügel muß man sehen! ... Wir droschen, wie das Korn auf der Tenne. Haut und Fleischfetzen hingen in Streifen. Sie lagen in der Krankenstube und waren am Krepieren. In den Wunden tummelten sich Klumpen von Fliegen. Eins sage ich dazu, daß keiner von uns sie vergewaltigt hat. Der Tod war für sie die Erlösung. Sie starben an Blutvergiftung.

Wir hatten keine Pferde, da haben wir vor den Pflug und die Egge Männer vorgespannt. Vor den Pflug 12, vor die Egge 8 bis 12, es kam darauf an, wie stark sie waren. Es kam vor, daß auch Frauen ziehen mußten. Wir hatten keine Autos, da spannten wir sie auch vor einen Wagen oder Anhänger, um Proviant zu holen, z.B. Oder vor eine Kutsche, um mit dem Kommandanten spazieren zu fahren.

Wie richtige polnische Herren!

Fünfzehnten September spannten wir vor den Wagen 16 Mann, denn wir mußten schweres Gerät ins Dorf bringen. Wir prügelten sie mit Stöcken, was das Zeug hielt, sie schafften es. Auf dem Rückweg, im Wald, haben wir etwas herumgeschossen. Die Hälfte von ihnen (Männern) haben wir mit Schüssen zum Teich getrieben und ersoffen. Sechs davon haben uns zum Lager gezogen. Drei davon haben vor Schreck die Sprache verloren, einer hat sich selbst erhängt.

Wir schossen auf die Leute in den Bäumen, wie auf Affen, schossen in die Leute wie auf Fliegen. Einmal sind zu viele Weiber in die Latrine reingegangen, ich schoß eine ganze Serie in sie hinein.

Manche bekamen in den Bauch, andere in die Brust. Die Kugeln trafen wie das blinde Los.

Stöhnten, jammerten, röchelten. Ins Loch damit! Damit keine Spur bleibt, unter die Erde. Sie bogen und krümmten sich in der Erde, wie große Würmer, wir schütteten sie mit Sand zu. "Herr

Ignac" kannte kein Mitleid. Aber jeder kannte "Herrn Ignac". Höchstens, daß nicht, da prügelte ich, oder ich gab Befehl zum Prügeln.



Zwei junge Hurensöhne gingen an mir vorbei, so an die 15 Jahre. Weder "Achtung", Morgen", Einer musste den anderen prügeln. Über einen Hocker und 25 auf den Arsch. Geschont haben sie sich, da habe ich ihnen gezeigt, wie es geht. Mit einem dicken Kabel. -

Wir prügelten und töteten. Wir haben sie ausgesiedelt aus dieser Erde. Lehrer, Pl Beamte, Kaufleute, Geistliche haben die Vorfahrt gehabt. Wir begossen sie mit Sejche, bewarfen sie mit Scheiße, unter die Fingernägel trieben wir ihnen Nägel ein.

Einem Schuster aus Bielic, 58 Jahre, (1 sprang ich so lange auf dem Rücken herum, bis er krepierte. Seinem Kumpel aus demselben Dorf, 65 Jahre, kam das Hirn heraus, so habe ich ihm mit in dem Kolben den Schädel zertrümmert. Einen erschoß ich, weil er Brillen trug, so ein Intelligent. - --

Zusammen mit dem Chef, Czeslaw G., haben wir dem Lehrer Wolf aus Bielic mit der Säge sein krankes Bein abgesägt. Er schrie sich zu Tode. Wir erschossen eine Frau im 9. Monat schwanger -. dann auch ihre kleine Tochter, als sie Blumen legte auf das Grab der Mutter.

Auf dem Lagergelände streunten Tag und Nacht hungernde Kinder. Waisen oder Getrennte von ihren Müttern. Bettelten vom Fenster zum Fenster und starben leise.

Eines Tages gaben wir bekannt, da» wir in der Baracke Milch haben für die Kinder. Sie kamen, wir erschossen sie!!!Janek F. war gut, er mußte gut sein, denn bis zum Ende war er nicht einer von uns.

Eine Mutter mit ihrem Baby auf dem Arm bat um Suppe, er schlug zu, direkt aufs Köpfchen. Und dann prügelte er die Mutter, sie floh vor ihm mit einer roten Kugel im Arm (blutiges Köpfchen des Kindes).

Wir klopften ihm anerkennend auf die Schulter, daß er wenn auch nicht einer von uns, so doch wie unser. Janek F. tötete zig Babys, gleich zwei auf einmal. Er zertrümmerte die Köpfe, indem er sie zusammenschlug.

Wir verboten für die Toten Kreuze aufzustellen.

Paar Frauen mit Kindern wollten es doch tun, fielen erschossen gleich auf ihre Männer, Väter und Kinder. Wen wir nicht erschlagen haben, der krepierte an Hunger oder Krankheit. An Typhus starben sie wie die Fliegen. Läuse fraßen ihnen die Haut so, daß man blanke Rippen sehen konnte.

So oder so haben wir zu wenig getötet. Czesiek G. wollte wenigstens zehn (10) am Tag.

Später mehr und mehr, Dörfer mußten schließlich geräumt werden für unsere, aus dem Osten, denn sie nächtigen im Bahnhof in Oppeln, aber das habe ich schon geschrieben.

Am 4. Oktober zündeten wir zusammen mit D. die Baracke Nr. 12 an. Vorher haben wir alle getrunken.

Da war nicht was zu löschen, aber den Frauen haben wir befohlen, Wasser und Sand zu schöpfen, den Männern das aufs Dach tragen, schütten und löschen. Wir schossen, wenn sie runter wollten. Das Dach ist eingebrochen, die Männer fielen rein und verbrannten. Die, die Angst hatten, näherzukommen, warfen wir ins Feuer. Die Familienmitglieder flehten uns auf Knien an, es gab kein Mitleid, der Ehemann brannte vor den Augen seiner Fraü und umgekehrt.

Czeslaw 6. gab Befehl zum Schießen, weil angeblich Aufruhr der Gefangenen, weil es brennt, und sie wollen fliehen. So fingen wir an zu schießen. Wir haben geschossen alle in alle.

Wer kann das heute zusammenzählen, paar hundert Getötete könnten es sein. Aus der Nähe, aus der Ferne, wie sie standen oder flohen. Jeder von uns hat laut gezählt, wie viele er hat. D., der Vertreter von Czeslaw G. tötete sechsundvierzig, ich verlor die Übersicht. Aus der Krankenstube zog ich ein altes Weib heraus und zertrümmerte sie gleich am Graben, ich tötete einen Vater von 6 Kindern, denn nach dem Feuer brach er psychisch zusammen.

Die letzte Leiche an diesem Tag war von mir. Mit einem Schuß in den Hinterkopf erschoß ich den Sanitäter, er trug eine Armbinde des Roten Kreuzes, und trug Suppe für ein krankes Kind-. Herbeigerufen habe ich zwei, damit sie ihn auf einer Trage zum Graben bringen, da bei dem Toten das Hirn zu sehen war, befahl ich ihnen, es zu essen. Sie wollten nicht, ich prügelte sie- mit dem Kolben.

Tote und Schwerverwundete haben wir befohlen in Gräben zu werfen und zuschütten. Die Erde bewegte sich, man hörte das Röcheln, die Totengräber mußten solange darauf trampeln, bis sich die Erde aufhörte zu bewegen und es war still.

Durchgeführt wurde die Exhumierung der Leichen von Soldaten der Roten Armee. Wir haben befohlen, die aus der Erde herauszuholen, die ihre (deutsche) Soldaten dort vergraben haben. Mit bloßen Händen, Männern und Frauen. Von den Leichen stank es wie aus der Hölle, verwest waren sie schon so, daß ihre Teile man sogar in den Stiefeln hatte.

In manchen Gräbern waren die Leichen so verwest, daß, wenn wir jemanden reinwarfen, der kam aus dieser schleimigen Masse nicht mehr raus.

Wir vergruben auch solche, die nur ohnmächtig wurden. Sie kamen zu sich als man Sand auf sie schüttete. Sie schrieen wie irre. Totengräber- vergruben sie in so einem Fall im Eil-Tempo.

Wenn mich heute jemand fragen würde, ob ich diese Schreie höre, da nein, ich höre nicht. Für Sünden bereue ich nicht. Amen.

Janusz Rudnicki


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Der Biologe der Universität von Los Angeles Jared Diamond schrieb in einem seiner Bücher: "Hören einer Relation aus erster Hand über Massenmorde ist nicht zu ertragen. Aber wenn wir weiterhin uns weigern werden und auch nicht versuchen wollen, es zu verstehen, einmal kommt auch über uns die Zeit, um Opfer oder Totschläger zu werden."

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PRESSEERKLÄRUNG DES BDV ZUR ANKLAGEERHEBUNG IN POLEN:

Der Bund der Vertriebenen begrüßt die Entscheidung der Staatsanwaltschaft Oppeln (Oberschlesien), Anklage gegen den ehemaligen Kommandanten des Lagers Lamsdorf, Geborski, zu erheben. Dazu erklärte Bd V-Präsidentin Erika Steinbach:



Die Anklageerhebung gegen den ehemaligen Kommandanten des Lagers Lamsdorf, Geborski, ist ein wichtiges Signal und ein richtiger Schritt auf dem Weg zur Ausarbeitung der Geschichte. In Lamsdorf wurden Tausende von Deutschen - Männer, Frauen und Kinder - nach 1945 willkürlich inhaftiert und derartig mißhandelt, daß nur wenige die Torturen überstanden. Tausende wurden ermordet, nur weil sie Deutsche waren, unabhängig von etwaiger individueller Schuld für nationalsozialistische Verbrechen.

Lamsdorf steht als Symbol für die Mißhandlung Deutscher, die noch jahrelang nach dem Krieg als Unterdrückte in ihrer angestammten Heimat Zwangsarbeit leisten mußten. Der Umgang mit dem Thema Lamsdorf ist für die Schlesier daher auch ein positives Zeichen für die Behandlung ihres Schicksals und die Anerkennung von Recht und Gesetz in Polen.

Jahrelang hatte der Bund der Vertriebenen die Anklage und Aburteilung der Täter gefordert, die bis jetzt unbehelligt in Polen lebten. Dem jetzt endlich angeklagten Kommandanten wird nach Mitteilung der polnischen Zeitung Gazeta Wyborcza nicht nur besondere Grausamkeit gegenüber den Inhaftierten, sondern auch vielfacher Mord an Deutschen zur Last gelegt.Es ist zu begrüßen, daß Polen mit der Anklageerhebung auch auf diesem Gebiet seine Geschichte aufarbeitet.


 

Zitat.

Ein Haus mit verwitterter, rußschwarzer Fassade an einer Hauptverkehrsstraße. Im Fenster im Erdgeschoss der weiße Kopf einer Rentnerin. Sie plaudert fröhlich mit einer jüngeren Freundin. Auf die Frage, ob sie einen gewissen Geborski kenne, ob er in diesem Haus wohne, zögert die Alte. Die Heiterkeit ist weg. "Ja", bestätigt die Frau. "Im dritten Stock wohnt der." Sicher wisse sie, wer Czeslaw Geborski sei und dass ihm ein Prozess bevorstehe. Schließlich habe er ihren Onkel erwürgt. "Er zerdrückte ihm die Kehle mit seinem Stiefel. 1945 saß mein Onkel in Lamsdorf. Geborski war dort Lagerkommandant. Wir erfuhren es von Nachbarn meines Onkels, der Schmied in Lamsdorf war. Sie haben alles mit angesehen", erzählt sie. Ob Geborski ahnt, dass es unter seinen Nachbarn Verwandte seiner Opfer gibt? Die Frau lächelt.
"Als ich vor fünf Jahren hier eingezogen bin, hat er sich Mühe gegeben, nett zu sein. Ich habe ihm gleich klar gemacht, dass er sich das sparen kann, denn ich weiß, wer er ist. Seitdem geht er mir aus dem Weg."
Die 69-Jährige will ihre Anonymität bewahren. Sie glaubt, Geborski könnte sich rächen. Immerhin hat er es bis zum Oberst des Sicherheitsdienstes gebracht, und seine Freunde aus früheren Zeiten haben kaum an Einfluss verloren. Sie sehe ja, sagt die alte Frau mit leiser werdender Stimme, welche großen Tiere Geborski besuchen. Vor drei Jahren, als Demonstranten eine Mahnwache vor dem Haus errichteten und Kerzen für die Opfer des Lagers in Lamsdorf (Lambinowice) anzündeten, seien sie sofort von der Polizei verjagt worden. Einen so schnellen Polizeieinsatz habe sie noch nie erlebt. Alles ein Komplott, sagt er Dass es zu einem Gerichtsverfahren gegen Geborski kommen werde, sei ihrer Meinung nach ausgeschlossen. "Zu schlau ist der alte Fuchs. Seinen Freispruch wird er sich bei Ärzten ergaunern. Angeblich hat er schon drei Herzinfarkte und einen Schlaganfall gehabt. Das ist vorne und hinten gelogen. Seit dem Tod seiner Frau im Januar kann er sich nicht mehr in der Wohnung verkriechen. Jetzt muss er öfters auf die Straße gehen, und das sieht doch jeder, dass der Oberst Geborski noch sehr flink auf den Beinen ist", sagt die Rentnerin.
"Glauben Sie mir, der wird noch zwanzig Jahre leben."
Der erste Eindruck von Geborski scheint ihr Recht zu geben. Robust und gebieterisch tritt der 75-Jährige vor seine Wohnungstür. Sein grauer Schnauzer, die Pfeife in der Hand und der bohrende Blick verleihen ihm eine überraschende Ähnlichkeit mit späten Ölschinken von Stalin. Journalisten seien Arschkriecher, sagt er, jämmerliche Lügner.
"Schauen Sie, was die da über mich schreiben."
Geborski verschwindet in seiner Wohnung und taucht gleich wieder mit einem Papierschnipsel auf.
"50.000 deutsche Vertriebene soll ich 1945 umgebracht haben, lesen Sie das. In Lamsdorf soll es 200.000 deutsche Gefangene gegeben haben. Dass ich nicht lache. Ich war damals ein kleiner Unteroffizier! Wie sollte ich da 50.000 Gefangene ermorden?"
Die Behauptungen des relativ unbekannten Blattes "Dzien na Opolszczyznie" ("Der Tag im Oppelner Schlesien") sind in der Tat maßlos übertrieben. In der kurzen Geschichte des polnischen Internierungslagers in Lamsdorf, wo 1945 oberschlesische Bauern nach der Zwangsräumung ihrer Höfe zusammengetrieben wurden, hat es unmöglich mehr als 20.000 Gefangene gegeben. Darüber sind sich die Historiker einig. Was man über ihn schreibe, beruhe auf Gerüchten und sei Teil eines Komplotts, sagt Geborski. Die Deutschen wollten ihre Schuld auf die Polen schieben und hätten sich ihn als Opfer ausgesucht. "Die Welt ist verrückt." Sechs Millionen Polen seien umgebracht worden, drei Millionen hätten als Zwangsarbeiter leiden müssen. Und jetzt das. Er, Czeslaw Geborski, der für das freie Polen gekämpft habe, müsse sich vor einem polnischen Gericht verantworten. Die Wohnung des Witwers ist voller Gerümpel. Stolpernd erreicht er die dunkle Küche und versucht, sich auf einem Bügelbrett ein Brot zu schmieren. Die Butter ist zu hart, das Messer rutscht ab und fällt auf den Boden. Geborski schlägt gegen die Wand. "Die Nutte ist tot!", schimpft er. "Wer ist tot?" "Meine Frau. Im Flur habe ich sie gefunden. Die blöde Kuh hat mich alleine gelassen." Dann nimmt er den Wodka aus dem Kühlschrank und geht ins Wohnzimmer. "Im Krieg mussten wir zwölf Stunden täglich in einem Kohlebergwerk für die Deutschen schuften", erzählt er. "Zu essen gab es nur ein Stück Brot, einen Eintopf aus verfaulten Rüben und einen halben Hering. Man hat uns wie Sklaven behandelt. Damals schworen wir uns, die deutschen Hurensöhne nach dem Krieg auf den Zäunen aufzuhängen." Ungeachtet seiner Hasstiraden gegen die Deutschen leugnet Geborski, an irgendwelchen Morden beteiligt gewesen zu sein. Klar, gibt er zu, in Lamsdorf seien viele Menschen gestorben, doch das habe hauptsächlich mit dem Hunger, den Krankheiten und den Versorgungsengpässen der Nachkriegszeit zu tun gehabt. Auch dass es unter den Lamsdorfer Lagerinsassen Oberschlesier gab, deren Muttersprache Polnisch war, bestreitet Geborski vehement. "Die waren alle 25-Zloty-Polen", brüllt er. "25 Zlotys mussten die Oberschlesier damals bezahlen für eine Bescheinigung, dass sie Polen sind. Wer zahlte, durfte nach Hause gehen." Seine Verhaftung nach dem Barackenbrand vom 4. Oktober 1945 bezeichnet Geborski als Resultat einer Verschwörung. Es stimme schon, sagt er, dass die Wachposten auf die Häftlinge geschossen hätten. Aber es seien nur drei gewesen, und die wären sonst ausgebrochen. Die Gräuelberichte über ein Massaker und Dutzende oder gar Hunderte Menschen, die damals ums Leben gekommen sein sollen, würden in Revanchistenkreisen in Deutschland fabriziert und seien allesamt aus der Luft gegriffen. Geborski kommt in Fahrt. Er gießt sich einen weiteren Wodka ein und trinkt das Glas mit einem Zug leer. Seine blauen Augen schleudern Blitze, wohl der mutigste Richter würde sich überlegen, ihm in dieser Verfassung zu widersprechen. Kein Tag ohne Tote An die Ereignisse des Sommers 1945 erinnert in Lamsdorf heute wenig. Vor dem Einmarsch der sowjetischen Truppen zählte der Ort zu den größten Kriegsgefangenenlagern der deutschen Wehrmacht. 300 000 Soldaten, hauptsächlich Russen, aber auch Briten, Polen und Amerikaner wurden in Lamsdorf interniert. 40 000 fanden dort einen qualvollen Tod. Nach Kriegsende starben hier oberschlesische Landwirte und ihre Familien unter grausamen Umständen. Auf einer Lichtung, wo je nach Schätzung 1500 bis 6500 Tote vergraben liegen, hätten vor nicht allzu langer Zeit Kühe geweidet und Kinder Fußball gespielt, sagt Elzbieta Wochnik. Sie ist eine der wenigen Lagerinsassen, die in der Gegend geblieben sind. Heute lebt die 71-Jährige mit ihrer Tochter und zwei Enkeltöchtern in einem Haus in Tulowice (Tillowitz). Über die Erlebnisse von damals zu reden, kostet sie Überwindung. Für jede Erinnerung an das Lager, wo "das Leben nichts wert war und die Menschen wie in Hypnose lebten", muss sie mit schlaflosen Nächten bezahlen, sagt sie. Bis 1990 musste Elzbieta Wochnik über Lamsdorf schweigen. Heute erzählt sie: Dass ihre Familie am 28. September 1945 aus dem Haus getrieben und nach Lamsdorf gebracht wurde, wie alle Einwohner des Dorfes Ligota Tulowicka (Ellgut Tillowitz). Dass die Posten ihren Großvater während des Barackenbrandes erschossen haben. Bis heute verfolgt Elzbieta Wochnik der Anblick seines Leichnams in einem Kinderwagen, in dem er zum Massengrab geschoben wurde. Zwei Monate verbrachte Frau Wochnik in Lamsdorf. Die damals 17-Jährige musste zusehen, wie alte Leute zu Tode gequält wurden und Kinder an Unterernährung starben. Jeden Tag, erzählt sie, wurden die Männer gezwungen, stundenlang auf der Stelle zu marschieren und deutsche Lieder zu singen. Wer zu leise sang oder die Beine nicht hoch genug hob, wurde verprügelt. Im Frauenblock, wo sie mit ihrer Mutter untergebracht war, hatten alle Läuse. Es verging kein Tag, an dem niemand an einer Krankheit starb. Vor der Baracke für 120 Menschen stand ein Kübel, der nachts die Latrine ersetzte. Lief er über, mussten die Häftlinge ihre Fäkalien vom Fußboden ablecken. Eine fünffache Mutter aus Szydlow, die sich geweigert hatte, wurde erschossen. Ihre Leiche beseitigten Wachposten in der Nacht. Doch die Reste ihres Hirns, die auf dem Boden neben dem Kübel klebten, konnte Frau Wochnik am nächsten Morgen noch deutlich sehen. Auch Lucyna Kurjahn stammt aus Ellguth Tillowitz. Auch sie war in Lamsdorf. Zu essen gab es dort verfaulte Kartoffeln, erinnert sich die Frau, die heute 64 Jahre alt ist: zwei morgens und zwei abends, sowie eine ungenießbare Suppe, die mangels Geschirrs aus verrosteten Blechbüchsen gegessen wurde. Dieselben Büchsen mussten Häftlinge zum Waschen des Fußbodens verwenden. Jede Nacht seien die verängstigten Frauen von betrunkenen Posten verprügelt und vergewaltigt worden, sagt Lucyna Kurjahn. 1945, nach dem Barackenbrand vom 4. Oktober, wurde Geborski zum ersten Mal vorübergehend verhaftet. Doch wie der polnische Historiker Edmund Nowak herausgefunden hat, durfte Geborski den Status eines Untersuchungsbeamten beibehalten und verdächtige Personen selbst verhören. Zu einem Gerichtsverfahren kam es erst 1959 in Oppeln, und Geborski wurde trotz belastender Zeugenaussagen freigesprochen. Jetzt soll es einen zweiten Prozess geben: Seit Juli 1998 ermittelt die Staatsanwaltschaft in Oppeln erneut. Das Urteil von 1959 sei als Resultat politischer Beeinflussung zu bewerten, sagt Staatsanwalt Jerzy Kula, "aber die neue Anklageschrift muss sich aus juristischen Gründen auf das Massaker vom 4. Oktober 1945 beschränken, das im Prozess von 1959 nicht berücksichtigt wurde". Der Staatsanwalt hofft beweisen zu können, dass am Nachmittag des 4. Oktobers 1945 in Lamsdorf betrunkene Wachposten eine Baracke in Brand gesetzt und wild auf die Häftlinge geschossen haben. Die Erklärung Geborskis, das Feuer sei von Gefangenen gelegt worden, die von einem geplanten Massenausbruch abzulenken versuchten, ist wohl eine Schutzbehauptung. "Eine Massenflucht wäre unsinnig gewesen", sagt der 68-jährige ehemalige Häftling Robert Tomala aus Ellguthammer. "Die meisten von uns durften außerhalb des Lagers unbewacht arbeiten. Es hat trotzdem keine Fluchtversuche gegeben, denn auf Flucht stand die Todesstrafe für die Familienangehörigen, und das wollte doch keiner riskieren. Das Feuer haben die Wachen gelegt. Sie hatten die Häftlinge zuvor Strohsäcke und anderes leicht entzündbares Material in die Baracke Nummer 12 hineintragen lassen." Da es kein Wasser gab, mussten die Gefangenen das Feuer mit Sand und Erde löschen. Später wurden sie mit vorgehaltenen Waffen aufs Dach gejagt. Viele stürzten ab und verbrannten bei lebendigem Leib. Bei der darauf folgenden Schießerei starben viele Frauen und Kinder. 48 Gefangene, stellte unmittelbar danach das polnische Sicherheitsamt fest, kamen bei dem Massaker um. Augenzeuge Tomala schwört, dass diese Zahl untertrieben sei. "Es waren mindestens 80 bis 100 Tote. Die Leichen lagen überall." Sie wurden zunächst in Wannen gelegt, erzählt Tomala, und dann zu einem Massengrab am Rande des Lagers gebracht. Manche Häftlinge wurden auch lebendig begraben. Die Raffgier der Verfolger Nach Angaben des Lagerarztes, Heinz Esser, dessen Augenzeugenbericht 1949 unter dem Titel "Die Hölle von Lamsdorf" in der Bundesrepublik erschien, wurden während der "Löscharbeiten" 40 Menschen verbrannt und 47 erschossen. Zu diesen Opfern müsse man außerdem 285 Menschen aus der Krankenstube zählen, die durch Genickschuss getötet oder durch Kolbenschläge betäubt und noch lebendig in Massengräber geworfen worden waren. Am nächsten Tag oder einige Stunden später, schreibt Esser, starben noch 209 Männer und Frauen an den Folgen der Verletzungen. Der Oppelner Historiker Edmund Nowak betrachtet diese Statistik mit Skepsis. Die Zahlen Essers, so Nowak, seien unbelegbar und übertrieben. Er erklärt den Freispruch Geborskis von 1959 mit einem Zugzwang polnischer Justizbehörden, die auf den apokalyptischen Bericht Essers reagieren mussten. Angesichts von Angriffen der Vertriebenenverbände wäre eine Verurteilung Geborskis einem Punkteverlust im ideologischen Streit mit dem Westen gleichgekommen, und das durfte nicht sein. Weder die offiziellen Stellen in Polen, noch die Vertriebenenverbände in Deutschland wollten es an die große Glocke hängen, dass nicht alle Gefangenen von Lamsdorf Deutsche waren. Diese Entdeckung machte das polnische Sicherheitsamt nach der ersten Verhaftung Geborskis. Unter den Lagerinsassen, stellten die Ermittlungsoffiziere fest, gab es Schlesier, die 1921 für den Anschluss des Oppelner Schlesiens an Polen optiert hatten und deren Muttersprache Polnisch war. Die Einwohner des Dorfes Ellguth Tillowitz haben auf dem Weg nach Lamsdorf die polnische Kirchenhymne "Pod Twoja obrone" gesungen. "Die Vertreibungen im Oppelner Schlesien", meint der Professor für Pädagogik und Geschichte von der Oppelner Universität, Franciszek Marek, "fanden oft unter der Beteiligung krimineller Elemente statt. Nicht selten handelte es sich weniger um die Nationalität der Opfer als um ihre Ausplünderung." Viele polnische Schlesier seien einfach der Raffgier ihrer Verfolger zum Opfer gefallen, und nicht wenige Deutsche habe man in Ruhe gelassen, weil sie schon alles während der ersten Plünderungswelle der Roten Armee verloren hatten. Seit ein paar Jahren steht in Lamsdorf ein Kreuz zur Erinnerung an die deutschen Opfer des Terrors. Die unauffällige Gedenkstätte am Rande des Lamsdorfer Museums für internierte Soldaten des Zweiten Weltkrieges wurde dreimal von polnischen Jugendlichen geschändet. Die Polizei konnte nicht verhindern, dass das Kreuz verbrannt wurde. Jetzt hat man ein neues aufgestellt, eines aus Stein, das den Flammen widersteht. Die Öffentlichkeit hat auf die Anschläge mit Betroffenheit reagiert, Geborski mit Anerkennung. "Das war eine Reaktion patriotischer Elemente auf die schleichende Bevormundung Polens durch Deutschland", doziert der einstige Lagerkommandant. Wie ein souveräner Herrscher sitzt er zufrieden auf dem Sofa in seinem Wohnzimmer unter zwei gekreuzten Säbeln, dem polnischen Wappen und einem verglasten Kasten mit all seinen Orden an der Wand. Dass "die patriotischen Elemente" rechte Skinheads waren, stört den Altkommunisten Geborski wohl am wenigsten.