|
Hindenburger Heimatbrief
Ein Haus ohne Ende
Galeriehaus
Neben meinem Geburtshaus in Hindenburg
Kampfbahnallee

In Hindenburg gibt es kaum oder überhaupt
nicht bekannte Orte oder Objekte, die
jedoch aus historischen oder architektonischen
Gründen wertvoll sind - schreibt das
Hindenburger Wochenblatt „Glos Zabrza"
und fahrt fort: Gemeinsam mit Dariusz Walerjariski,
dem Vorsitzenden der Gesellschaft für
Denkmalschutz und Mitarbeiter des Hindenburger
Bergbaumuseums besuchten wir in
diesen Tagen ein so genanntes Galeriehaus.
Es gibt im Stadtgebiet ein Gebäude, von dem
man umgangssprachlich sagt, dass „dessen
Ende nicht zu sehen ist". Der experimentelle
Prototyp dieses Gebäudes wurde erstmalig auf
der Ausstellung „Wohnung und Arbeitsstätten"
des WUWA Deutscher Werkbund im Juni 1929
in Breslau vorgestellt. Es befindet sich entlang
der (ul. Roosevelta) Kampfbahn-Allee mit den
Hausnummern 57 bis 63, misst genau die Länge
von 156 Metern und 80 Zentimeter. Es ist
höchstwahrscheinlich das längste Gebäude in
unserer Stadt, und wahrscheinlich auch in Oberschlesien?
Auf einer künstlich aufgeschütteten
Erhebung von über einem Meter wurde es in
fast einem Jahr von vier Firmen erbaut: Georg
Schmidt, Anton Skrobanek, W.G. Kundt und der
Maurerfirma P. Delakowitz aus Biskupitz.
Entworfen wurde es von zwei lokalen Stadtarchitekten:
A. Kraemer und M. Wolf im
August 1930 - beschreibt dessen Geschichte
Dariusz Walerjanski in dem Zeitungsbericht.
Investor war die Stadt, die damals in einem
freien Bezirk das sogenannte „Südviertel" mit
Sport- und Erholungsanlagen zu bauen
begann. Es gelang, dieses Gesamtprojekt in
fast 90% zu realisieren. Zwischen den
Straßenzügen Damrota (Pfarrstraße), Czarneckiego
(Gneisenaustraße) und Zolkiewskiego
(Kleiststraße) entstand eine sehr interessante
und im Grünen eingetauchte Siedlung.
Unser „Klötzchen" - obwohl sehr groß,
gehörte gewissermaßen dazu.
Galeriehaus
Ansicht vom Hinterhof

Hofseite
Ansicht von der Straßenseite

156 Meter und 80 Zentimeter. Nummer 57 bis 63
Es besteht aus vier identischen Segmenten
mit je einer Länge von knapp 40 Metern und
ist im modernistischen Geist im Stil des Funktionalismus
gehalten. Dieser Stil stammt aus
der Strömung der zwanziger Jahre des vergangenen
Jahrhunderts, als die Architekten
und Projektanten nicht mehr an die Vergangenheit
anknüpfen wollten. Man nannte diesen
Stil international und ihn charakterisierten
typische weiße Gebäude aus Beton mit flachen
Dächern und Fassaden ohne jegliche
überflüssige Verzierung. Dann zeichnete man
deren einzelne Richtungen aus, wie Modernismus,
Expressionismus, Bauhaus oder
Funktionalismus als Anwendungsart des
Objektes an die Form und deren Bestimmung.
Für viele einfache Menschen ist diese Architektur
langweilig und nicht wahrnehmbar,
denn sie knüpft an nichts anderes an - sagt
Walerjanski. Wie einer meiner Kollegen-
Architekten sagt, ist es das „andere Schöne".
Das Schöne, welches wir wahrnehmen sollten,
denn gerade solche Architektur auf hohem
Niveau haben wir in unserer einst Industriestadt
Hindenburg jede Menge.
Und dieses „Galeriehaus", wie
es im Kreis der Architekten
genannt wird, ist ein wirkliches
Kleinod.
Das Gebäude sieht von der
Nordseite am interessantesten
aus, von wo man die sich ziehenden
Galeriegänge sehen
kann, die zu den einzelnen
Wohnungen führen. Alle Wohnungen
waren gleich und
bestanden aus einer kleinen
Küche sowie einem Wohn- und
Schlafzimmer mit Toilette.
Die durchschnittliche Wohnung
hatte die Abmessungen 6
x 9 Meter.
Vorteile der Wohnungen in diesem Galeriegebäude
sollten wirtschaftlicher Art sein sowie die
maximale Flächennutzung im Sinne des vor
dem Zweiten Weltkrieg verkündeten Grundsatzes
„die kleinste Wohnung bei Ausnutzung der
einfachsten Mittel", sowie Verminderung der
Anzahl der Treppen und Lüftung auf Durchzug.
Wie man sieht, sollte es ein Haus nach Maß
eines modernen, einfachen Menschen sein -
eines Arbeiters ohne romantische Gefühle.
Dieser Architekturtyp
kommt jetzt wieder in Mode, denn wie sich
zeigt, hat nicht vieles davon überdauert. Es
würde sich lohnen, in unserer Stadt über eine
Touristenroute durch die Hindenburger Architektur
dieses Typs nachzudenken, denn wir
haben den Europäern wirklich etwas zu zeigen
— sagt Walerjanski.
K.F.
Hindenburger Heimatbrief vom 15.05.2008

Schwimmbad an der Kampfbahn-Allee (Sosnitzaerstr.) - K¹pielisko
miejskie (Roosevelta)
6/8
1920

Nr.: 3
Nr.: 7

Nr.: 11
Nr.: 13

Nr.: 15
Nr.: 17

Nr.: 32
Nr.: 37

Nr.: 46
Nr.: 56 bis 60

Nr.: 57 bis 63

Nr.: 62 bis 66
Nr.: 70

Nr.: 72
Nr.: 80 bis 82 |