Karte
von MainzMainz
liegt am nördlichen Ende der oberrheinischen Tiefebene auf 50
° Nord und 8°16´26" Ost direkt gegenüber der Main Mündung
auf 82 - 245 m über NN .
Mainz hat eine Stadtfläche von ca. 97 km2 bei etwa 200.000 Einwohnern. Davon sind rund
20.000 Ausländer.
Die Räder des Mainzer
Stadtwappens sollen auf den Bischof Willigis, dessen Vater Wagner gewesen sein
soll, zurückgehen. Andere Quellen sagen, dass sich darin das Sonnensymbol des
keltischen Gottes Mogo (=>Moguntia) wiederspiegelt. Wahrscheinlich aber geht
das Radsymbol auf das Christos Monogramm zurück.
Mainz ist Hauptstadt
des Bundeslandes Rheinland-Pfalz, Universitätsstadt und Bischofssitz mit langer
Vergangenheit. Um 38 v. Chr. erreichten die Römer den Rhein. 13 - 12 v. Chr.
errichteten sie ihr Doppellegionslager auf dem Kästrich (Castra) mit einem Brückenkopf
auf dem rechten Rheinufer (Castellum Mattiacorum = das heutige Mainz-Kastel).
Das römische Mainz (Mogontiacum) war geboren.
345 kehrt
das Christentum in Mainz ein. Um 406 wurde Mainz durch die Alanan, Sweben,
Vandalen und Burgunder erobert und zerstört.
Im Mittelalter war das "Goldene Mainz" als Sitz der mächtigen
Erzkanzler und Erzbischöfe Hauptstadt des Heiligen Römischen Reiches
Deutscher Nation.
745 erhält
Bonifatius (Apostel der Deutschen) das Bistum Mainz. Unter seinem Nachfolger Lul
(Lullus) wird Mainz Erzbistum und gewann in der Frankenzeit um 800 wieder als Münzstätte
Bedeutung.
856
stirbt Rabanus Maurus in Mainz.
Vom 9.
Jahrhundert an wurden die Bischöfe von Mainz auch weltliche Herren der
Stadt. Auch das jüdische Mainz (Magenza) kam zu großer Blüte.
975
begann unter Erzbischof Willigis der Bau des St.
Martin - Domes.
Die Erzbischöfe von Mainz waren zugleich auch Erzkanzler (Rangerster der sieben
Kurfürsten) des Deutschen Reiches.
1002 krönt
Erzbischof Willigis im Mainzer St. Martins Dom Heinrich II.
1184 wird
in Mainz das Reichsfest (prächtiges Fest des Mittelalters) Kaiser Barbarossas
gefeiert.
Im 13.
Jahrhundert wurde das goldene Mainz (aurea Moguntia) freie Stadt und
Hauptstadt des Rheinischen Städtebundes.
Um 1440
erfindet Johannes
Gutenberg den
Buchdruck mit beweglichen Lettern (Gutenberg-Museum).
1452 - 1455 druckt Gutenberg die Gutenberg-Bibeln in Mainz.
1462
verliert Mainz seine Stadtfreiheit durch Erzbischof Johann von Nassau. Mainz
wird Residenzstadt ohne Selbstverwaltung.
1477 wird
die Mainzer
Universität
gegründet.
Im 30jährigen
Krieg wurde Mainz von den Schweden eingenommen. Während die kaiserlichen
Truppen Mainz belagerten, raffte eine Pestepidemie die Hälfte der Bevölkerung
dahin.
1763 und 1790
konzertierte Mozart in Mainz.
1768
In der Augustinerstraße hatte der seit 1260 ansässige Bettelorden der
Augustiner-Eremiten bis 1803 sein Kloster. Die Hallenkirche wurde ab 1768 von
Steinmetz Johann Georg Schrantz errichtet, heute ist hier die Kirche des Bischöflichen
Priesterseminars. Ihre Ausstattung ist so reich, weil Mäzene die Arbeit der
eigens herbestellten bayerischen Kunsthandwerker großzügig förderten; die
Fassade zeigt die lebhaften Formen des mainfränkischen und süddeutschen
Barock. Im Innenraum verherrlichte der Maler Johann Baptist Enderle aus Donauwörth
in großen, lichten Deckengemälden das Leben des heiligen Augustinus.
Nach der Französischen Revolution wurde Mainz durch das Revolutionsheer besetzt
und die Mainzer
Republik
(1792/93) ausgerufen. Die Universität wurde geschlossen, der Dom fungierte
teilweise als Hospital und Stall.
Von 1798 - 1814
gehört Mainz zu Frankreich.
Der französische Kaiser Napoleon machte die Rheinmetropole zur
Hauptstadt
des Départements Donnersberg. Nach der Neuordnung Europas durch den
Wienerkongress wurde Mainz 1816 Provinzhauptstadt von Hessen
Nach dem Sturz
Napoleons wurde Mainz Hauptstadt der Provinz Rheinhessen des Großherzogtums
Hessen Darmstadt.
Um 1815
wird Mainz Festung des Deutschen Bundes.
1826 wird
die Dampfschifffahrtsgesellschaft für den Mittelrhein gegründet (Beginn des
Fremdenverkehrs).
1837/38
beginnt die organisierte Fastnacht mit der Mainzer Ranzengarde von 1837 und dem
Mainzer Karneval-Verein von 1838 (Mainzer
Fastnacht).
1850 - 1877
Bischof Ketteler (Sozialbischof)
1853
wird Mainz an das linksrheinische Eisenbahnnetz angeschlossen.
1872
wurde Mainz im Rahmen der "Großen Stadterweiterung" nach Nordwesten
hin erweitert (Mainzer Neustadt).
1873
wurde Mainz Reichsfestung.
1885
wurde mit der Erstellung der Rheinbrücke die erste feste Straßenbrücke seit
der Antike gebaut.
1895
wurde die 80 Meter hohe, kupfergedeckte Christuskirche
im Stil der Hochrenaissance von Eduard Kreyßig errichtet.
1904
Auflassung der inneren Festungswerke.
1907
wurde als erster Stadtteil Mombach eingemeindet. 1908 Kastel und Amöneburg.
1913 kam die Gemeinde Kostheim dazu.
Nach 1918
Entfestigung (Beseitigung sämtlicher Befestigungsanlagen) von Mainz.
1930
wurden Weisenau, Bretzenheim, Bischofsheim und Ginsheim-Gustavsburg
eingemeindet. 1938 kommt auch Gonsenheim dazu.
Im 2.Weltkrieg wurde
Mainz durch Bomben des Kriegsverbrechers Harris stark zerstört (27.02.1945: 80%
der Innenstadt).
1945
wurden die rechtsrheinischen Stadtteile (51 Prozent des Stadtgebietes) durch die
amerikanische Militärverwaltung abgetrennt. Die Stadt Wiesbaden (eine
Kurstadt in Hessen) sollte Amöneburg, Kastel und Kostheim vorläufig
verwalten.
1946
eröffnete wieder die Universität Mainz, nun als Johannes Gutenberg Universität.
1950 wurde Mainz Hauptstadt von Rheinland-Pfalz. 1962
Gründung des Stadtteils Mainz-Lerchenberg (Jubiläumssiedlung zur
2000-Jahr-Feier) und Mainz wird Sitz des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF).
1969 Eingemeindung von Drais, Ebersheim, Finthen, Hechtsheim, Laubenheim
und Marienborn.
1973 wurde das neue
Rathaus nach einem Entwurf der dänischen Architekten Arne Jacobsen und Otto
Weitling erbaut.
1975
wurde der Mainzer St. Martins-Dom 1.000 Jahre. 1977 war die 500 Jahrfeier der
Mainzer Universität. 1990 wurde die St. Stephans Kirche 1.000 Jahre alt.
2000 Mainz feiert den 600. Geburtstag von Johannes Gutenberg, dem Mann
des Jahrtausends.
Mainzer historische Persönlichkeiten:
Bonifatius:
angelsächsischer Missionar, Erzbischof in Mainz (746-754)
Willigis:
Erbauer des Domes (+1011)
Heinrich
von Meissen (Frauenlob): Minnesänger
(1312 in Mainz)
Johannes
Gutenberg (oder Henne Gensfleisch zur Laden): Erfinder
des Buchdrucks mit beweglichen Lettern1398-1468)
Hans
Backofen:
(~1470-1519)
Steinmetz und Bildhauer, schuf viele Grabmäler in Mainz.
Gottfried
Wilhelm Leibniz:
1667-1674
Revisionsrat in Mainz, Mathematiker und Philosoph
Johann
Georg Adam Forster:
Naturforscher, mit
James Cook unterwegs, kam 1788 als Professor nach Mainz.
Johannes
Bückler:
als Räuberhauptmann
"Schinderhannes" 1803 in Mainz hingerichtet.



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Einige
Erfindungen aus jener Zeit:
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1850
|
bis 1920:
Die grundlegenden Gesetze der Physik werden entdeckt. Maschinen und
technische Hilfsmittel können jetzt gebaut werden.
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1850
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bis 1920:
Die Elektrizität wird entdeckt und nutzbar gemacht. Energie ist jetzt
unabhängig vom Erzeugungsort verfügbar.
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1858
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"Zellular-Pathologie
von Rudolf Virchow. Die Grundlage für die großen Erfolge der modernen
Medizin ist geschaffen.
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1877
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Erstes Telefon von
A. G. Bell in Amerika gebaut.
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1880
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Das Eisenbahnnetz
ist in Deutschland komplett ausgebaut und in Betrieb.
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1882
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Immer mehr
Krankheitserreger als die Ursache von Krankheiten werden entdeckt.
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1886
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Erstes Auto von
Carl Benz in Mannheim gebaut.
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1893
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Erstes Aspirin
hergestellt.
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1896
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Erste Röntgen-Aufnahme
in Würzburg.
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1900
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In den Städten
wird die Straßenbeleuchtung allgemein üblich (Gas-Laternen).
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1908
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Erstes
Antibiotikum "Salvarsan" wird hergestellt.
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1908
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Die 150-jährige
Entwicklung der Dampfmaschine findet ihren Abschluss.
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1912
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Das Atommodell
entdeckt. Die moderne Chemie kann entstehen.
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Hans Moldenhauer
The ardent music collector and mountain climber Hans Moldenhauer
was born in Mainz, Germany, in 1906, and died in 1987. Over the course of forty
years he established the Moldenhauer Archives, a matchless resource of musical
documents that encompasses music history from the Middle Ages through the 20th
century, and about which Moldenhauer said, “the Archives includes not only
bricks, but the mortar,” referring to both the great musicians and critical but
lesser-known figures that hold it together.
Hans Moldenhauer emigrated to the United States in 1938, settled
in mountainous Spokane, Washington, in 1939, and served in the U.S. Mountain
Troops during World War II. In 1942, as he embarked upon a musical career in
collecting, performance, and writing, he founded the Spokane Conservatory. In
1943 he married his piano pupil, Rosaleen Jackman, to whose memory he would
later dedicate his Archives. When Moldenhauer was diagnosed with the incurable
retinitis pigmentosa and told he would soon be blind, he focused much more of
his energy on acquiring the monuments of “Music History from Primary Sources,”
as he called the growing Moldenhauer Archives.
Hans Moldenhauer procured manuscripts from composers such as
Berg, Brahms, Beethoven, Liszt and Lutoslawski, and obtained numerous items from
the archives of Mahler, Castelnuovo-Tedesco, and Schoenberg. Moldenhauer
acquired the Webern Archive in the 1960s and with his wife Rosaleen wrote the
seminal biography Anton Webern, A Chronicle of His Life and Work (New
York: Knopf, 1978), along with other publications on Webern.
At the time of Hans Moldenhauer’s death in 1987, the Moldenhauer
Archives included many thousands of items that are now housed in nine
institutions around the world: in the United States, at the Library of Congress,
Harvard University, Northwestern University, Washington State University, and
Whitworth College; in Basel, Switzerland, at the Paul Sacher Foundation; the
Bayerische Staatsbibliothek in Munich; the Zentralbibliothek in Zurich; and in
Vienna at the Stadtarchiv und Oesterreichische Nationalbibliothek. The
Moldenhauer bequest to the Library of Congress in 1987 consisted of over 3,500
music manuscripts, letters, and other materials and was the greatest composite
gift of musical documents yet received. The Library also received the funds to
produce a volume, now published, The Rosaleen Moldenhauer Memorial: Music
History from Primary Sources: A Guide to the Moldenhauer Archives, edited by
Jon Newsom and Alfred Mann, Washington, D.C.: Library of Congress, 2000 [ISBN
0-8444-0987-1].
The Moldenhauer Archives at the Library of Congress consist
primarily of music (both manuscript and printed), correspondence, photographs,
sound recordings, books, newspaper clippings, printed programs, drawings, and
engravings. The Archives span years from the Middle Ages to the present, and
include documents of composers, musicians, and literary figures, among others.
The music in the collection includes holograph scores or
sketches, both published and unpublished, as well as a number of copyist’s and
printed scores, transcriptions, and arrangements by composers and musicians such
as Beethoven, Bloch, Brahms, Chopin, Franck, Mendelssohn, Puccini,
Rimsky-Korsakov, Schoenberg, Webern, and many others. Also included is
correspondence of great historical and musical interest, such as letters of
Metastasio and Handel.
Some composers (Arnold Schoenberg and Anton Webern, for example)
are represented by numerous manuscripts. A sample of other composers, musicians,
and literary figures that are represented by both music and non-music materials
includes George Auric, Johann Sebastian Bach, Béla Bartók, Hector Berlioz,
Georges Bizet, Pierre Boulez, Anton Bruckner, Charles Burney, Feruccio Busoni,
Claude Debussy, Frederick Delius, Hermann Hesse, György Ligeti, Federico García
Lorca, Wolfgang Mozart, Maruice Ravel, Rainer Maria Rilke, Frank Wedekind, Kurt
Weill, and Gioseffo Zarlino.
Kriegsverbrechen
des "Bomber - Harris"
Quelle
Anzahl der Bomber
auf Mainz 1942/1945
|
|
|
|
Datum |
Bomber |
|
|
|
|
|
09.09.1944
|
265
|
|
|
|
|
|
13.09.1944
|
42
|
|
|
|
|
|
21.09.1944
|
141
|
|
|
|
|
|
27.09.1944
|
171
|
|
|
|
|
|
09.10.1944
|
354
|
|
|
|
|
|
19.10.1944
|
330
|
|
|
|
|
|
04.12.1944
|
221
|
|
|
|
|
|
18.12.1944
|
157
|
|
|
|
|
|
30.12.1944
|
105
|
|
|
|
|
|
13.01.1945
02.02.1945
27.02.1945
|
408
340
458
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Anzahl der
|
Bomben
|
auf Mainz
|
1944/45
|
|
|
|
Datum
|
RAF/USAF
|
Spreng
bomben
|
Stab-
brandbomben
|
Leucht
bomben
|
Splitter
bomben
|
|
|
|
und Luftminen
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
08.09.1944
|
8. USAF
|
2.330
|
156.828
|
|
|
|
09.09.1944
|
8. USAF
|
1.876
|
52.800
|
|
676
|
|
13.09.1944
|
8. USAF
|
300
|
13.970
|
|
|
|
21.09.1944
|
8. USAF
|
806
|
89.760
|
|
|
|
27.09.1944
|
8. USAF
|
1.102
|
64.900
|
|
|
|
09.10.1944
|
8. USAF
|
2.366
|
---------
|
|
|
|
19.10.1944
|
8. USAF
|
2.926
|
164.230
|
|
|
|
04.12.1944
|
8. USAF
|
2.285
|
31.790
|
|
|
|
18.12.1944
|
8. USAF
|
2.864
|
33.330
|
|
|
|
30.12.1944
|
8. USAF
|
1.816
|
19.830
|
|
|
|
13.01.1945
|
8. USAF
|
1.607
|
---------
|
|
|
|
01./02.02.1945
|
RAF
|
1.118
|
176.400
|
26
|
|
|
27.02.1945
|
RAF
|
719
|
514.000
|
28
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Summe
|
|
20.115
|
1.317.844
|
54
|
676
|
|
"Mainz war ein Flammenmeer"
Heute vor 58 Jahren: Bomben löschen
die Innenstadt aus / Drei Schlaglichter auf den Luftkrieg
Vom 27.02.2003
Der Vernichtungsangriff am Nachmittag des 27. Februar 1945 bleibt
von allen 33 Bombardements, die Mainz im Zweiten Weltkrieg erlitten hat,
am stärksten im kollektiven Gedächtnis der Bevölkerung. Er fordert die
meisten Toten und macht eine bereits schwer getroffene Stadt weitgehend
dem Erdboden gleich. Denn schon vorher war das 2000 Jahre alte Mainz Ziel
von Bombenabwürfen: Im August 1942 sank das historische Zentrum
weitgehend in Trümmer.
Heute vor 58 Jahren bomben Flieger der Royal Air Force in 13 Minuten
die verwinkelte Innenstadt in Schutt und Asche - grausamer Höhepunkt des
Luftkriegs über Mainz und menschenverachtendes Etappenziel der britischen
Flächenoffensive gegen deutsche Mittelstädte. Ob man das Inferno im
britischen Bomber, im deutschen Jäger oder im Mainzer Luftschutzkeller
erlebt - das beherrschende Gefühl ist Todesangst. Drei Schlaglichter.
Die Bomber: Fünf Kilometer über dem Boden zittern 3000 Menschen in 20
Meter langen Röhren aus Holz und Metall um ihr Leben. Das Brummen der
Motoren ist ohrenbetäubend, Kommandos sind nur über Kopfhörer möglich.
Ständig wandert der Blick zur Armbanduhr. Seit fast drei Stunden ist die
riesige Armada aus 435 viermotorigen Bombern und 120 Begleitjägern in der
Luft, endlich kommt das Ziel in Sicht. Alles wartet auf den erlösenden
Befehl des Bombenschützen: "Bombs away", damit der Flieger
abdrehen und den Heimweg antreten kann.
30 Einsätze müssen die Besatzungen hinter sich bringen, für viele
ein Todeskommando: Rund vier Prozent der Flugzeuge gehen pro Einsatz über
dem Deutschen Reich verloren - durch Flak-Beschuss, Jägerangriffe oder
technischen Defekt.
Das Ziel - für die Besatzungen ist es nichts weiter als ein
Buchstaben- und Zahlencode. Wo genau sie ihre Bomben abladen, interessiert
sie nicht, sie wollen nur wissen, wie lange sie in der Luft ausharren müssen.
Das Bomber Command hat jede deutsche Stadt mit dem Namen eines Fischs
codiert. Der Einsatz am heutigen 27.Februar 1945 gilt "Parr"
(englisch für Sälmling), der exakte Zielpunkt lautet GH 5810 - die
Mainzer Innenstadt.
In nur anderthalb Minuten hat eine viermotorige Halifax oder Lancaster
Mainz überflogen. Etwa über dem Gonsbachtal fallen die Bomben aus den
Schächten, trudeln auf eine dichte Wolkendecke zu - von Explosionen ist
im Cockpit nichts zu sehen. Einige Piloten berichten später allerdings
von einer 4600 Meter hohen Rauchwolke. Heute haben die Bomber-Boys Glück:
Die starken Flakbatterien um Mainz geben wegen der Wolkendecke nur
ungezieltes Sperrfeuer ab, Jäger sind nicht in Sicht.
Die Jäger: "Die Angst fliegt immer mit", das ist das erste,
was Heinz Borgmann einfällt, wenn er sich an seine Einsätze gegen
britische Bomber erinnert. Als Bordfunker startet er in den Jahren 1944/45
Nacht für Nacht mit seiner Ju 88 vom Flugplatz Finthen zu Einsätzen über
dem Reich. Bis Chemnitz und Dresden reicht der Radius seines
Nachtjagdgeschwaders.
Per Funk werden die Jäger an den Bomberstrom herangeführt, dann muss
der Funker den Piloten dicht an die feindlichen Maschinen lotsen.
"Die hatten eine starke Verteidigung, das war kein leichtes
Spiel", sagt Borgmann. Eine der Taktiken: unter den Bomber fliegen,
dann schräg hochreißen und in die Tanks des Bombers feuern. An die
jungen Briten in den Maschinen denkt er dabei nicht. "Im Dunkeln
haben wir nur die Maschinen gesehen." Borgmann hält einen Moment
inne: "Man schiebt das beiseite, das macht jeder mit sich selbst
aus." Wut im Bauch haben sie, nicht nur wegen der Zerstörungen am
Boden, sondern auch weil sie gegen die so genannten Terrorflieger
"propagandistisch aufgemöbelt" wurden. "Aus 5000 Meter Höhe
kriegt man nur wenig davon mit, was am Boden passiert", erzählt der
heute 80-Jährige. "Man sieht höchstens ein Blitzen." Am nächsten
Tag fehlt dann beim Appell der eine oder andere. "Wer das überlebte,
hatte eine Menge Glück", sagt Borgmann und holt tief Luft. Das Leben
des Funkers liegt in den Händen seines Piloten. "Als jeder wusste,
dass nichts mehr zu retten war, hat der sich auch gefragt, ob er jetzt
noch alles riskieren soll." Mehr als neunmal entgeht er knapp dem
Tod. Er landet in Bombentrichtern, so dass von der Maschine nichts übrig
bleibt, muss in 5000 Metern Höhe aus der brennenden Maschine springen. Es
ist jedesmal ein Himmelfahrtskommando, doch in der Luft fühlt sich
Borgmann sicherer als am Boden.
Mainz-Report Die Mainzer: Es hat am 27.Februar schon vorher
Fliegeralarm und Entwarnung gegeben. Als gegen 16.30 Uhr die Sirenen
erneut aufheulen, ist es zu spät, Schutz zu suchen. "Da hat's auch
schon gekracht", erinnert sich Heinz Leiwig. Mit seiner Mutter sitzt
der damals Neunjährige im stockfinsteren Luftschutzkeller an der
Kupferbergterrasse, macht sich unter dem Dröhnen der Einschläge immer
kleiner. "Wir konnten nur warten, mussten das über uns ergehen
lassen - fürchterlich", erzählt Leiwig. "Das hat und hat nicht
aufgehört, es kam Welle um Welle, Einschlag um Einschlag." Immer
enger wird es im überfüllten Keller der Aktien-Brauerei am Kästrich,
bis kaum Luft zum Atmen übrig bleibt. "Es hieß: Mainz brennt, alles
brennt, die Leute waren fertig."
Als Leiwig sich wieder ins Freie traut, steht er vor einer brennenden
Stadt: "Ein einziges Flammenmeer voller Qualm und Rauch." Die
Menschen strömen aus den Kellern, mitten im Inferno sehen sie die
Domspitze - wenigstens das Wahrzeichen der Stadt steht noch. Am Fischtor
stecken die Brandbomben wie Spargel im Boden. "Es ist reiner Zufall,
dass ich überlebt habe", sagt Leiwig nachdenklich. Weil er sich
wegen einer Grippe nicht wohl fühlte, blieb er im Keller sitzen.
Eigentlich wollte er mit seiner Mutter einkaufen gehen - dort, wo die
meisten Bomben einschlugen.
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"Der Angriff 1945 sollte blindwütig
die Stadt zerstören"
Historiker Sönke Neitzel über
die lange Zeit tabuisierten Bombardements, die grausame Strategie des
Feuersturms und Deutsche Opfer
Vom 27.02.2003
Wie bewerten Historiker den Luftkrieg über Mainz im Licht der
aktuellen Debatte? Dazu sprachen wir mit Hochschuldozent Dr. Sönke
Neitzel vom Historischen Seminar der Johannes Gutenberg-Universität. Der
34-jährige Geschichtswissenschaftler ist Experte für militärgeschichtliche
Fragen und berät ZDF-Historiker Guido Knopp.
FRAGE: Herr Neitzel, ist der Bombenkrieg ein Tabuthema?
NEITZEL: Er war insofern ein Tabu, als man früher nicht von den Opfern
der alliierten Luftangriffe sprechen konnte, ohne im gleichen Atemzug zu
sagen, dass eigentlich die Deutschen selber daran schuld seien. Es wurde
eine historisch unzulässige Linie gezogen von Guernica, Rotterdam und
Coventry bis zu Dresden. Motto: Wer Wind sät, wird Sturm ernten. Jetzt
kann man das differenzierter sehen und offener diskutieren. Jörg
Friedrich hat - bei allen Mängeln, die sein Buch aufweist - einen Damm
eingerissen. Was in der Fachöffentlichkeit spätestens seit den
Forschungen der 80er Jahre bekannt ist, dringt nun schlagartig in die öffentliche
Diskussion. Die Deutschen sind im Luftkrieg doch mehr Opfer gewesen als
man das früher hat sagen können.
FRAGE: Warum ist diese Debatte erst jetzt aufgekommen?
NEITZEL: Das hängt sicherlich auch mit dem Generationswechsel
zusammen. Es gibt immer weniger Zeitzeugen, und es wächst eine Generation
heran, die diese Zeit selbst aus Erzählungen nicht mehr kennt. Dadurch
sind die Diskussionen weniger emotional aufgeladen, und man kann
sachlicher darüber sprechen. Das beobachte ich auch in meinen Seminaren
an der Universität. Im Kielwasser von Jörg Friedrich traut man sich
jetzt auch in den Medien, Fragen offener und tabuloser anzusprechen.
Dadurch gelangen wir zu einem ausgeglicheneren Bild, das der historischen
Wirklichkeit näher kommt.
FRAGE: Worin sehen Sie den Unterschied der Angriffe auf Mainz 1942 und
1945?
NEITZEL: Im August 1942 war England subjektiv betrachtet in keiner
beneidenswerten Situation: Die Wehrmacht stand in Stalingrad und im
Kaukasus, Rommel kämpfte vor den Toren Kairos. Die einzige Offensivwaffe
Englands war das Bomber Command, und alles was die Briten damit tun
konnten, war Städte großflächig anzugreifen, weil sie damals technisch
noch nicht in der Lage waren, Ziele punktgenau zu treffen. Deswegen haben
sie versucht, durch die Bombardierung der Zivilbevölkerung deren Moral zu
brechen und so einen Beitrag zum Sieg über ihren Gegner zu leisten. Die
Angriffe 1942 folgten also einer militärischen Logik eines schwer bedrängten
Landes, auch wenn dies für Mainz schlimme Folgen hatte.
FRAGE: Und 1945?
NEITZEL: Zu diesem Zeitpunkt war der Krieg schon längst gewonnen,
nicht einen Monat später wurde Mainz besetzt. Hier spielte militärische
Logik keine Rolle mehr. Es ging nicht mehr darum, einen Beitrag zum Sieg
der Alliierten zu leisten, sondern darum, blindwütig eine Stadt zu zerstören,
mit einer historischen Altstadt und einem bedeutenden Dom. Das macht in
der moralischen Bewertung einen großen Unterschied.
FRAGE: Dass der Dom nicht zerstört wurdeƒ
NEITZEL: ƒwar eher ein glücklicher Zufall. Am 27.Februar war ja
schlechtes Wetter, das Ziel war die Innenstadt, das hätte genauso gut
daneben gehen können. Die britischen Bomber haben mit einkalkuliert, dass
sie den Dom treffen. Ein Luftkrieg ist nie exakt, wie auch der Kosovo
gezeigt hat.
FRAGE: Wie ist der Angriff zu bewerten?
NEITZEL: Der Angriff 1945 war eine Grausamkeit, die durch nichts zu
rechtfertigen ist. Das Ziel war die Innenstadt und nicht der Hauptbahnhof
oder die MAN-Werke in Gustavsburg. Man könnte von einem reinen
Terrorangriff sprechen, wenn man durch diesen emotional aufgeladenen
Begriff nicht ein Schlagwort der NS-Propaganda übernehmen würde. Die
Historiker nennen diese gezielten Angriffe auf die Zivilbevölkerung
"unterschiedslose Angriffe".
FRAGE: Ist die Bestückung der Bomber ein Indiz dafür?
NEITZEL: Ja. Brandbomben und Sprengbomben wurden im Verhältnis drei zu
zwei abgeworfen. Mit dieser Bombenmischung greift man keine Gleisanlagen
oder Brücken an. Hier ging es darum, gezielt ein Feuer zu entfachen, das
auch noch Stunden nach der Bombardierung wütete. Insofern war es "Glück",
dass die Stadt schon 1942 bombardiert worden war. Weil große Teile des
Zentrums bereits in Schutt und Asche lagen, konnte kein Feuersturm
entstehen.
FRAGE: Manche versuchen nun, die Opfer des Holocaust gegen die Opfer
des Bombenkriegs aufzurechnen.
NEITZEL: Diese Vergleiche kann man als Historiker nur scharf zurückweisen.
Das Deutsche Reich trug die Verantwortung für den Krieg, in letzter
Konsequenz gehen alle Toten auf die Entscheidung Hitlers zurück, den
Krieg zu beginnen. Das konnte aber kein Freibrief für die Alliierten
sein, sich wie die Axt im Walde zu benehmen. Auch ihr Handeln muss
kritisch beleuchtet werden, und man muss die Frage der Verhältnismäßigkeit
der Bombenangriffe insbesondere für das Jahr 1945 stellen. Der Holocaust
hat mit der Motivation, deutsche Städte anzugreifen, rein gar nichts zu
tun.
Das Interview führte unser Mitarbeiter
Achim Reinhardt
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